Der Urban-Zombie

Richti Areal in Wallisellen bei Zürich

Dass bei Stadterweiterungen, das aus dem vorlezten Jahrhundert stammende Konzept  des Blockrandes angewendet werden, ist im Prinzip richtig. Blockrandgebiete sind sehr beliebt man denke nur schon an Paris, Barcelona, den Kreis 4 in Zürich oder das Quartier Kleinbasel in Basel. Sie bringen, trotz der a prima Vista formalen Gleichheit, im Gegensatz zur formalen Vielfalt der Streubauweise, urbane Öffentlichkeit  in den Aussenraum und als Kontrast dazu nachbarliche Privatheit im Innenhof .

Barcelona System Blockrand

Barcelona  Blockrand als System (Foto aus dem Internet)

Paris System Blockrand

Paris Blockrand als System (Foto aus dem Internet)

Die Gretchenfrage lautet warum ist das so? Die  Antwort lautet: Es sind die für den Fussgänger wohldefinierten Aussenräume wie Strassen und Platze welche Geborgenheit erzeugen und somit zum aufenthalten einladen.  Die Sichtbeziehung der Bewohner zu den belebten Strassenräumen und zu den ruhigeren Innenhöfe sowie zu den Naschbargebäuden, welche ein Gefühl sowohl des Zu Hause Seins und zugleich auch des Dabei Seins erzeugen.  Bereichernd hinzu kommt noch die räumliche und volumetrische Hierarchieabwesenheit solcher Quartiere welche implizit ein Nachbarschaftsgefühl hervorrufen. Ein weiterer Effekt welcher die geschlossene Bauweise erzeugt ist die räumliche Führung der Fussgänger , sie sehen wohin sie sich bewegen, mit einem wohltuendem Gefühl nichts zu verpassen. – Eben weil sie  durch die Häuserfassaden geführt werden, und bei jeder Kreuzung entscheiden können in welcher Richtung sie gehen müssen oder flanieren können.  Und das sind  diese Interaktionsmöglichkeiten, von Fussgänger zu Fussgänger, von Fussgänger zu Automobilist, von Bewohner zu Bewohner, und Fussgänger zu Bewohner, Fussgänger zu Laden-, Restaurant-, oder Dienstleistungsbetreiber welche letztendlich Urbanität erzeugen. Zusammenfassend das grosse Plus der geschlossenen Siedlungstechnik ist eben dieses doppelte Erlebnis sowol der Urbanität gegen die Strassenseite wie auch der Privatheit gegen die Hofseite.

Beispiel Kreis 4 Zürich

Gutes Beispiel Kreis 4 Zürich , der Nachbarschaftsbtsbezug zur anderen Strassenseite ist möglich auch von  Wohnung zu  Wohnung Dies ist eine Frage der lokalen Masstäblichkeit .

Beispiel Paris

Gutes Beispiel Paris (Foto aus dem Internet)

Beispiel Mailand

Gutes Beispiel Mailand (Foto aus dem Internet)

Wie erlebt sich das Quartier Richti als Besucher?

Nachdem ich seit zwei Jahren, in der Presse und Büchern von Städtebautheoretikern gelesen habe, wie geplant werden muss, dass auch richtige Urbanität ensteht, – und in Wallisellen nun seit einiger Zeit ein solches Quartier steht,  wollte ich es mal wissen, und bin im September 2016 ca. um 15 Uhr, voller Vorfreude zuerst durch das quirlige  Glattzentrum in Richtung Richti Areal geschlendert, in der Hoffnung, laut Theorie, ein noch quirligeres Quartier Richti anzutreffen.  Kaum auf der anderen Strassenseite angekommen begegnete ich auf rechten Seite die blinde Schaufensterfront von einer Coopfiliale und und auf der linken Seite ebenfalls eine blinde Glaswand  anliegend an eine überdimensionierten Bar welche vollkommen leer war. In diesem Sinn geht es weiter richtung Richtiplatz links und rechts und anschliessend, an der Richtiarkade sind die Schaufenster nicht blind. Hinter diesen befinden sich verschiedene Gastrobetriebe welche zum Teil vollkommen überdimensioniert wirken, – und  wegen der gähnenden Leere mit zum Nichtstun verurteiltes Servicepersonal bestückt sind. Gleich gegenüber dem Richtiplatz an einem strategischen Ort auf der rechten Seite befindet sich ebenfalls eine blinde Schaufensterfront einer Migrosbankfiliale.

Menschenleere Richtiarkade: Urban ??

Menschenleere Richtarkade

Menschenleere Richtarkade: Urban??

Menschenleere Richtiarkade

Menschenleere Richtiarkade: Urban??

Menschenleere Richtiakade

Menschenleere Richtiakade: Urban??

Die zwei kleineren städtebaulichen Kategorienfehler an diesem Ort: die Materialisierung und die Massstäblichkeit der Erdgeschosse

In der Einkaufsstrasse der sogenannten Richtiarkade zirkulieren fast keine Passanten und was sofort ins Auge sticht;  das  wirtschaftliche Niveau, der  Läden entspricht in keiner Weise der teuren Materialisierung der Ladengeschosse. Mit anderen Worten  das Erdgeschoss der  Überbaung Richti ist  „overdressed“.

Überinstrumentierte Fassadengestaltung im Erdgeschoss

Überinstrumentierte Fassadengestaltung im Erdgeschoss, der Suburbia. Diese Arkade führt in die „Pampa von Wallisellen. Ob diese Lokale jemals vermietet werden können ist höchst fraglich.

Nieveau der Ladenmieter in keinem Verhälnis zur teuren Materialisierung und Massstab der Erdgeschosse

Nieveau der Ladenmieter in keinem Verhälnis zur teuren Materialisierung und Massstab der Erdgeschosse. Ein Kleideränderungsatelier , – ein Verzweiflungsakt.

Auch die Dimensionen der Schaufenster mit den grossflächigen und teuer eingefassten Gläsern läd nicht zum reingehen ein. – Eigentlich dasselbe  Problem wie bei der Überbaung Europalee in Zürich und bei den Sunrisetowers in Oerlikon. – Hier wurde eindeutig ein Kategorienfehler in Bezug der Masstäblichkeit und der Materialisierung der Erdgeschosse begangen. – Wir befinden uns in Wallisellen und nicht in der Nachbarschft der Galleria Vitorio Emanuele in Mailand, auch nicht der Parkavenue in N.Y. oder der Ramblas in Barcelona. Die Erdgeschosse möchten gerne grosstädtisch wirken was föllig deplaziert ist, die Richtiarkade ist  Menschenleer und strahlt somit eine triste Zombie Urbanität aus. Die Migrosbank im Erdgeschoss eines an sich strategischen Punkt der Überbauung, mit seiner  abgedeckter Schaufensterfront, interpretiere ich als Verzweiflungsakt des Vermieters. Gesehen habe ich auch, dass im Erdgeschoss der Allianz mit der Einrichtung von Arztpraxen, weitere blinde Schaufenster am enstehen sind. – Es ist eine altbekannte Tatsache: tote Schaufenster sind für eine Einkaufsstrasse Gift, der Passant wechselt sofort die Strassenseite. Was an den Ladenfronten zu viel an Aufwand an Entwurf und Materialisierung  getrieben wurde, wäre  gescheiter in eine durchdachte Gestaltung der Fassaden der Obergeschosse und der Innehöfe investiert worden, diese sind allesammt trostlos. Vom Allinzgebäude ganz zu Schweigen, diese Fassaden sind in typisches Beispiel von einer Architekten Selbstverwiklichungsmentalität: – „Sich ja nicht dem Kontext anpassen, sonst publiziert niemand mein Oevre“ – Neuerdings nennt man solche Architektur – „Birdshit architecture“ –   Da tragen auch die Gehwegkurven im Rasen nichts zur Wohnlichkeit dieser bei; auch akustisch sind die Innenhöfe nicht durchdacht, man höhrt jedes Geflüster der gegenüberliegenden Wohnungsaussenräume.- Nicht um sonst sind auch diese Innenhöfe fast menschenleer.

Der grosse städtebauliche Kategorienfehler an diesem Ort: der Blockrand

Situation

Blockrandsolitär ohne Weiterentwicklungsmöglichkeit. (Foto aus Hochparterre 1.2/14)

Der Inbegriff von europäischer Urbanität ist der Blockrand. Damit ein Blockrand Urbanität erzeugt braucht es ein System, oder anders gesagt die Blockränder müssen sich über eine grössere Fläche addieren  um Synergien zu erzeugen, welche in sich genügend „Verkehr im weitesten Sinn“ erzeugen  und so durch seine Lebendigkeit  auch Menschen von anderen Quartieren anzieht.  So wie es z.B. mit den Leuten welche in der Europalee in Zürich wohnen, aber  im Ausgang lieber in den lebendigen Kreis 4 gehen als in ein Restaurant im eigenen Quartier aufzusuchen. – Für die Erreichng von lebendigen Strassen gilt die goldene Regel: diese müssen immer von einem Ausgangspunkt zu einen Ziel führen oder auch vice versa. – Auch Manhattan ist, wenn auch ohne Inenhöfe ein System von Blockränder. – Und genau diese Systemlosigkeit ist der grosse Kategorienfehler beim Richtiareal. Das Richtiareal ist ein Blokrandsolitär, welcher auf alle 4 Seiten hin, ins Niemansland führt. Es gibt auch in Zukunft auf alle 4 Seiten hin, keine Andockmöglichkeiten für weitere Blockränder welche das Ganze zu einen System werden lassen könnte. Da teuscht auch das möchtegern „Mailandfeeling“ nicht darüber hinweg, dass es sich hier lediglich um ein Suburb handelt, welcher nie richtig leben wird. Die Wohnungszugangstrassen Richtistrasse, Konradstrasse, Escherweg und der Favreweg, strahlen eine eimalige Langeweile aus, verursacht, durch die Menschenleere, Ziellosigkeit und abstossend wirkende Fassaden, welche keinen Hauch von menschlicher Nachbarschaft aufkommen lässt. Das gleiche Argument kann auch für die Fassaden der Innenhöfe der Blockränder gebracht werden. Mit Ausnahme des Konradhofes wo aber die Hofakustik vergessen wurde.

Typische unakttrative Seitenstrasse welche ins Nirgendwo führt

Typische unakttrative Seitenstrasse welche ins Nirgendwo führt, die Wohnungen welche auf diese ausgerichtet sind haben kein Urban –  sondern ein Suburbiafeeling.

Typische unakttrative Seitenstrasse welche ins Nirgendwo führt

Seitenstrasse entlang der Bahngeleise mit Hauporientierung gegen die tristen Innenhöfe , wo bleibt da das Urbane Versprechen?

Der urbane Ettiketenschwindel

Innenhof Konradhof die gestalterische Ausnahme

Innenhof Konradhof die gestalterische Ausnahme

Das Hauptaugument für die geschlossene Siedlungstechnick, also ist eben seine sich selbst generierende  Urbanität. Eine Eigenschaft welche bei offenen Siedlungstechniken nicht generiert werden kann, obwohl diese in Bezug auf Orientierung, Besonnung und Aussicht der geschlossenen Siedlungstechnik hoch überlegen ist. Bei den Blockränder gibt es a priori meistens nur eine Seite des  Vier-  oder Dreiecks welche in Bezug auf Aussicht, Besonnung previlegiert ist, die anderen Seiten sind unterprevilegiert.

Regelinnenhof mit Strafanstalt Athmosphäre

Regelinnenhof mit Strafanstalt Athmosphäre

Eine Unterprevilegierung jedoch, welche bei einem funktionierendem Blockrandquartier gerne in Kauf genommen wird, eben weil einem auf der Strassenseite das angenehme urbane Dabei Sein erwartet  und zum Hof hin das beruhigende nachbarschaftliche zu Hause Sein  erwartet. Eigenschaften , welche man auf den ganzen Richt Areal in keiner weise erleben kann und wird. – Somit ist das Projekt Richti ein Ettiketenschwindel.

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Projekt Berthold im Hochschulgebiet Zürich: ein weisser Elefant

These

Das Projekt Berthold im Hochschulgebiet Zürich Zentrum ist wissenschaftlich ein notwendiges Vorhaben, urbanistisch und volumetrisch ist es jedoch noch lange nicht hinreichend durchdacht. Der Masterplan muss überarbeitet werden, bevor er zu einem rechtskräftigen Richtplan mutiert!*

*Dieser Text wurde in verkürzter Form in der Quartierzeitung FLUNTERN im Februar 2016 publiziert.

Darlegung

Vergleicht man das Modell des Projektes „Berthold“, das dem Publikum im grossen Hörsaal der UNI im Jahr 2014 vorgestellt wurde, mit dem „Ist Zustand“ der Umgebung des Uni Spitals heute, so ist „Berthold“ eindeutig eine städtebauliche Verbesserung gegenüber der herrschenden urbanen Unordnung: Berthold schafft Ordnung in die zufällige Akkumulation von autistischen Einzelbauten.

Ist Zustand des Spitalareales = Chaos

Ist Zustand des Spitalareales = Chaos

Vergleicht man die Präsentation vom Jahr 2014 jedoch mit derjenigen, die im Kunsthaus am 2. Novembers 2015 dem Publikum vorgestellt wurde, so fällt auf, dass es sich inhaltlich exakt um das gleiche Modell handelt und das obwohl die Verantwortlichen versicherten, unterdessen „hart“ am Plan weitergearbeitet zu haben. – Sehr schnell nahm das Publikum wahr, dass da sowohl vom Volumen wie auch funktional ein „weisser Elefant“ heranwächst, der keinen Bezug zu den umliegenden Quartieren hat und sie städtebaulich und kulturell abwerten wird. Das war auch einer der Gründe dafür, dass das Publikum verärgert reagierte. Es merkte schnell, dass der präsentierte „Masterplan Zürich-Zentrum“ noch nicht hinreichend durchdacht ist.

Ja zu Bertold – grundsätzlich

Niemand kann gegen ein Vorhaben sein, das von unseren beiden Königsinstitutionen ETH und UNI , einschliesslich des Unispitals kommt, jenen Institutionen, die den Ursprung unseres Wohlstandes mit begründen, und ihn langfristig durch die Ausnützung von interdisziplinären Synergien aufrechterhalten werden.

Wir können auch erfreut sein, dass der Staat in diese Institutionen im Herzen von Zürich investiert – eine Zentrumsnähe, die vielen Mitbürger/innen die Gelegenheit bietet, an deren öffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen, die auch unser geistiges Wohlbefinden heben.

Soll Zusatnd des Spitalareales

Soll Zusatnd des Spitalareales, mit Haefeli Moser Steiger Bau welcher als „zweidimensionale Kulisse“ die zukünftige  Entwickung des Unispitals  zum Zürichberghang hin einquetscht,  und somit zu diesem einen Volumenzunami verursacht .

Der Masterplan Hochschulgebiet Zürich Zentrum aus der unrealistischen Vogelperspektive, welche die reele Dimention bewusst verschleiert.

Und im Zuge der weltweit immer schneller fortschreitenden Globalisierung kann ein hochentwickelten Land wie die Schweiz seine Existenz – sprich seine Wettbewerbsfähigkeit nur durch technischen Vorsprung sichern. Das ist eine anerkannte Tatsache. Damit die Forscher, nebst rationalen Schritten (Karl Popper), auch irrationale Gedankenblitze (Paul Feyerabend) in den interdisziplinären Suchprozess einbringen können, braucht es räumliche Nähe. Auch dies ist längst eine betriebswirtschaftlich erkannte Tatsache.

Guter Städtebau erträgt keine Beliebigkeit

Zurück zur Veranstaltung im Kunsthaus am 2. November 2015.

Als ein Besucher unten aus dem Publikum bei den Verantwortlichen oben auf dem Podium ein verbindliches Konzept für „Berthold“ vermisste, erhielt er sinngemäss die Antwort, dass die Fachwelt der Stadtplanung heute ohne solche arbeite, „da die Zukunft nicht voraussehbar sei“. – Eine typisch postmoderne Aussage. – Werden wichtige städtebauliche Entscheide auf spätere Etappen, wie Wettbewerbe für einzelne Areale oder einzelne Gebäude, verschoben, können wir sicher sein, dass wir ungemütliche Überraschungen erleben werden. – Es wird sich ein architektonischer Individualisierungsprozess entwickeln, der schliesslich in eine Anhäufung von Beliebigkeiten führen wird, von dem es dann kein Zurück mehr geben wird. – Zürich West ist dafür ein Beispiel. – Nein, guter Städtebau erträgt keine Beliebigkeit. Paul Feyerabend‘s berühmt gewordenes – „anything goes“ – bezieht sich auf den wissenschaftlichen, den methodologischen Suchprozess und nicht, wie so manche Architekten und Planer in postmodernem Missverstand meinen, auf das Endresultat eines Prozesses. Stadtplanung ist im Gegensatz zu wissenschaftlicher Forschung, wo das Resultat noch unbekannt ist, immer die Vision des Endresultates.

Fotomontage Sicht von der Freiestrasse auf Augenhöhe

Fotomontage Sicht von der Freiestrasse auf Augenhöhe, erst aus dieser Sicht kommt man der für den Menschen relevanten urbanen Wahrheit näher.

Das bedeutet: Jetzt ist der letzte Moment gekommen, wo der Masterplan Zürich-Zentrum noch mit kultureller Substanz gefüllt und verfeinert werden kann! Nachher ist es zu spät. Wir dürfen uns auch nicht mit Versprechungen der Verantwortlichen „ es werde dies und jenes später berücksichtigt zufrieden geben. Nein, jetzt ist der Beweis anzutreten, dass in den städtebaulichen Prozess neben den neuesten technischen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten auch die kulturellen Werte der über Jahrhunderte gewachsenen Stadt Zürich einbezogen und materiell umgesetzt werden.

Fotomontage Sicht vom Dach des Schwesternhochauses

Fotomontage Sicht von der Gloriastrasse auf Augenhöhe, erst aus dieser Sicht erschliessen sich die geplanten Volumina im Verhältnis zur bestehenden Stadt

Was im Masterplan auf keinen Fall  gelöst ist

  • Erstens: Die Volumina sind in Bezug zur Fläche des vorgesehenen Perimeters und der bestehenden Topographie überdimensioniert. Vor allem in deren horizontaler Ausdehnung. – Falls die vorgesehenen Volumina nicht verkleinert werden sollen, muss der Perimeter ausgeweitet werden, um Masstabsprünge zu harmonisieren.
  • Zweitens: Die Übergänge, die räumliche Verzahnung zu den angrenzenden Quartieren muss rechtlich so gestaltet werden, dass sich die betroffenen Nachbarterrains am Masterplan aktiv beteiligen können. Wobei die Ausnützungsziffern im Übergangsbereich, je weiter entfernt vom Perimeter stufenweise abnehmen sollen, um abrupte Volumensprünge zu vermeiden.
  • Drittens: Wir befinden uns hier nicht in einem Campus, sondern mitten in einer gewachsenen Urbanstruktur, die weitergeflochten werden muss. Dazu fehlt für ein lebendiges Quartier die Funktionsdurchmischung. Im Klartext: Es gehört auch Wohnen hinein. Zum Beispiel auf den oberen Stockwerken der Institutsgebäude.
  • Viertens: Die früher belebten öffentliche Räume, wie die Universitätsstrasse und die Sonneggstrasse, die im Laufe der letzten Jahre durch die Konkurrenz der Mensen in den Institutsgebäuden regelrecht abgestorben sind, sollen gemäss „Berthold“ nicht wiederbelebt werden. Hier liegt Quartier – Verzahnungs- , Synergiepotential brach. Auch entlang der Rämistrasse auf linker Seite Richtung Pfauen liegt städtebauliches Potential für UNI Bauten brach. Mit anderen Worten der jetzige Planungsperimeter ist zu klein, dieser muss  erweitert werden um die gegebene Opportunität nicht zu verpassen, eine fundierte Stadtplanung zu betreiben. Also in grösseren Zusammenhänge zu denken und zu planen .  Ob die neu geplante Sternwartstrasse, wegen seiner Abgelegenheit und Ziellosigkeit die erhoffte Anziehung bilden wird, ist äusserst fraglich. –  Man kann es nicht genügend betonen: vorhandene Potentiale müssen ausgenutzt werden, und nicht neue unrealistische Ortskonkurrenzen mit der Sternwartstrasse schaffen, welche sich letztendlich zu einer urbantistischen Totgeburt entwickeln wird. Wie zum Beispiel die kürzlich mit teuren Materialien erstellte Richtiarkade in Wallisellen,  gleich neben dem  Einkaufszentrum Glatt, welche ebenfalls von Nirgendwo zu Nirgendwo führt, und dessen eingemitete Läden im Erdgeschoss,  wegen fehlenden Passanten nächstens Konkurs anmelden werden.
  • Fünftens: Damit das Hochschulquartier auch kulturell ein nachhaltiges Exempel wird, muss sichergestellt werden, dass im Laufe der Zeit, das Vorhaben Hochschulquartier Zürich Zentrum  nicht zu einem Sammelsurium von architektonischen Eitelkeiten verkommt. Dazu müssen bereits im Masterplan, Funktionsanteile, eigentumsrechtliche Regeln, Gestaltungsregen und nicht zuletzt auch, auf abstrakter Ebene die Materialisierung, festgelegt werden.

Appell  an die, dafür verantwortlichen Politiker

Bevor der vorhanden Masterplan zum Richtplan deklariert wird, müssen drei Grundsatzentscheide getroffen werden:

A: den Flächenbedarf der Uni und der ETH nochmals durch eine unabhängige Stelle durchleuchten zu lassen. Sowie auch die Kosten für die notwendige Infrastruktur.

B: Nach dem der Flächenbedarf aus heutiger Sicht abgeklärt ist. Muss der  Masterplan als Ganzes inklusuve  ETH und UNI Bauten nochmals, also aus städtebaulicher Sicht überdacht werden;  bevor der Masterplan definitiv zum rechtskräftigen Richtplan deklariert wird. Diese Aufgabe verlangt keine grossen Kellen, sondern feine, einfühlsame und konzeptionell exakt abgestürzte Arbeit. Dazu sollten Planerteams eingeladen welche mit dem kulturellen Geist der Stadt Zürich vertraut sind, also vor allem keine internationalen Selbstdarsteller.

Wenn man schon daran ist das Ganze zu vertiefen, sollten wir uns nicht scheuen, die Rolle des Unispitals von Häfeli, Moser Steiger, HMS, auch nochmals zu hinterfragen. So wie es jetzt geplant ist verkommt dieser Bau zur zweidimensionalen Kulisse: Bekanntlich ist Architektur aber eine dreidimensionale Angelegenheit. Die Erhaltung dieses Baues zwingt zu städtebaulichen und betriebswirtschaftlichen Kompromissen, und da gilt es nun sorgfältig holistisch abzuwägen, ob durch dessen Abriss doch nicht auch bessere städtebauliche Gesamtlösungen erreicht werden können.

Kurz zur Geschichte des in diesem Masterplan entstanden Volumenzunami welcher das ganze Stadtbild im Hochschulgebiet Zürich Zentrum  massiv verunstaltet:  Den Entscheid den HMS- Bau unter Schutz zu stellen wurde gefällt längstens bevor das jetzige Projektteam des Kantons Zürich betimmt wurde. Sehr gewichtig zu wissen ist, dass der damalige Entscheid  auf Grund von Studienvarianten mit und ohne HMS Bau durchgespielt wurden, aber damals –  Jetzt kommt der springende Punkt –  waren die Flächenbedürfnisse der zukünftigen Benutzer gar noch nicht bekannt.  Als dann im laufe der Arbeit des jetzigen Teams, die wahren Raumbedürfnisse vom Unispital , ETH und Uni endlich angemeldet wurden,  hatte niemand von diesem Planungsteam sowie auch von den externen Auftragnehmern, (Archtiekten und Planer), inklusive verantwortichen Politiker, den Mut die vor Jahren, aus heutiger Erkenntnis, nicht mehr fundiert Prämisse in Frage zu stellen. – Es wurde einfach begonnen die Flächenwunschzettel der Nutzer in den vordefinierten Planungsperimeter hinein zu wursteln.  Als dann die Stadtbürger am 4. Nov. 2015 begannen über diese städtebauliche Verunstaltungsvision  zu reklamieren, ist den Projetverantwortlichen bewusst geworden, dass sie sich in eine planerische Sackgasse hinein manövriert  haben, aus welcher sie sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien können. Und nun versuchen sie auf Teufel komm Raus mit Notlösungen, hier und da etwas Volumen zu reduzieren, ohne aber dem Ganzen auf den Grund zu gehen. Und rechtfertigen gegenüber der Bevölkerung, also Steuerzahler, nun Ihre Versäumnisse mit angeblichen terminlichen und pekuniären Sachzwängen. – Entgegen selbstverteidigungs Behauptungen von Projekt- und Politikveratwortlichen, dass bei einer etwaigen Rückweisung zur Überabeitung, mit zig mio Franken Abschreibungen  zu rechnen sei, ist schlichtweg unwahr. Sondern die bis dato erarbeiteten Vertiefungsstudien sind defakto Grundlagewissen, welches bei der Überarbeitng zeit- und gewinnbringend eingesetzt werden kann.  Dieser Sachverhalt ist für den weiteren politischen Entscheidungsprozess sehr wichtig!!!

Die einzige Instanz welche dieses an sich nicht mehr handlungsfähige  Planungsteam, von ihren Fesseln befreien kann:  ist  der  Kantonsrat von Zürich.

Grundgedanken zum Denkmalschutz einzelner Gebäude

Hier sei in Erinnerung gerufen; alle durch uns als schön empfunden europäischen Städte wie z.B. , Paris, Prag, Barcelona, Florenz, Hamburg, …etc. bleiben in unseren Erinnerungen vor allem durch ihre einheitliche städtebauliche Struktur, also deren Aussenräume wie Strassen und Plätze, und nicht durch einzelne Gebäude.  Die historisch wichtigen Gebäude welche wir alle auch in guter Erinnerung haben wurden bewusst in die räumliche Struktur integriert. Historisch wichtige Gebäude sind kulturelle Gebäude,  – also nicht rein technische  Zweckgebäude wie in unserem Fall ein Spital, welches wie eine Maschine funktionieren muss, und zum grössten Teil aus Installationen besteht. Installationen  welche dem schnelllebigen technischen Fortschritt unterworfen sind, und somit nach ein paar Dekaden, wie z.B. ein Flughafen,  wieder umgebaut werden müssen.

Altes Kantonsspital um 1885. War es wohl auch Denkmalgeschützt?

Altes Kantonsspital um 1885.  War es wohl auch denkmalgeschützt?

Hier wird ersichtlich, dass der HMS Bau um das alte Kantonsspital herumgebaut wurde. Das heiist die Form des HMS Bau war damls eine Notlösung. Die grosse Frage ist nun, welcher der beiden Bauten hatmehr Recht auf das "denkmalgeschütztsein"? Auch der der alte Spitalbau hatte durchaus Qualitäten, dieser wurde aber der Ratio der 1950 Jahre geopfert. Die zweite Frage ist nun warum nun nicht auch der HMS bau der Ratio des 21 Jh. opfern. Diese beiden Bilder zeigen auf eindrückliche Weise , wie angebliche Denkmalschutz-Absolutismen , letztendlich doch Relativ zu den momentan herrschenden Machtallüren der jeweiligen Entitäten sind.

Hier wird ersichtlich, dass der HMS Bau um das alte Kantonsspital herumgebaut wurde. Das heisst die Form des HMS Bau war damals eine Notlösung. Die erste grosse Frage ist nun, welcher der beiden Bauten hat mehr Recht auf das „Denkmalgeschütztsein“? – Auch der alte Spitalbau hatte für sich alleine gesehen  Qualitäten, dieser wurde aber der Ratio der 1950 Jahre geopfert. Die zweite Frage ist nun; warum nun nicht auch der HMS Bau der Ratio des 21. Jh. opfern. Diese beiden Bilder zeigen auf eindrückliche Weise , wie angebliche imperative Denkmalschutz-Absolutismen , letztendlich doch relativ zu den momentan herrschenden Machtallüren der jeweiligen Denkmalschutz-Entitäten sind.

Also nochmals zusammenfassend:  Die städtebauliche gesamt Struktur ist höher zu gewichten als deren Einzelteile: in unserem Fall der HMS Bau. – Dies an die Adresse der Denkmalpfleger seien sie vom Kanton, Stadt Zürich, oder sonst welchen Experten; Leute welche grösstenteils ihre Urteile  aus einem Tunnelblick fällen, ohne die höhere Ebene in Betracht zu ziehen. – Ob diese eingeschränkte Methode wissenschaftlich ist, – ist höchst zweifelhaft, – und dies würde auch ein Gericht einsehen!!! 

Nicht zu vergessen; es gibt ja noch das Kongresshaus Zürich von HMS welches nun restauriert und auf das Original hin zurück gebaut wird.  Dieser Bau besitzt die gleiche Architektursprache wie der Spitalbau und ist erst noch ein Kulturbau. Ein Bau welcher schon wegen seiner Funktion her viel besser geeignet ist, das Können von Häfeli, Moser, Steiger in Erinnerung zu behalten, als der Spital wo deren Benutzer durch die Not des physischen Zwangsaufenthalts, alles andere im Kopf haben als die schönen Details und Materialübergänge zu bewundern, geschweige denn das zugrundeliegende Architekturkonzept zu erforschen.  

C: Zuletzt könnte man sich als vernünftige Option vorstellen die Studienauftrage in zwei Gruppen aufzuteilen, eine Gruppe mit Erhalt der HMS Baus und eine Gruppe ohne Erhalt des HMS Baus beide aber mit erweitertem Planungsperimeter wie oben bereits dargestellt. Es gilt die Chance zu nutzen in diesem so wichtigen Stadtteil , die bis anhin fehlende  urbanistische Vision endlich zu entwickeln…. Beim Vergleich der beiden Resultate könnte dann fundiert, und ohne Vorurteile, entschieden werden, in welcher Richtung weitergearbeitet wird.

Konklusion:

Der Masterplan ist kategorisch noch weiteren Durchläufen zu unterziehen, bevor er zum Richtplan deklariert wird.  Huft Schüsse sind hier absolut fehl am Platz. Ich wiederhole, ein Verschieben von städtebaulichen Entscheiden in die  Zukunft, wie ich weiter hinten schon dargelegt habe, bedeutet den Kopf in den Sand zu stecken. Und das gehört sich für ein Jahrhundert Projekt wie dieses nicht. Denn die kulturelle Zukunft der Stadt Zürich steht hier auf dem Spiel – !

Nachtrag

http://www.nzz.ch/zuerich/planung-des-zuercher-hochschulgebiets-optimum-ist-ein-grosses-wort-ld.82561

Unter dem Titel „Optimum ist ein  grosses Wort“ vom 14. Mai 2016 in der NZZ, (siehe Internetadresse oben)  rechtfertigen die Herren Kantonsplaner und Stadtbaumeister gegenüber der Kritik welche von allen Seiten her auf den Masterplan hereinprasselt.
Die Grundsatzfrage ist doch an sich simpel:  Würde der Masterplan  überzeugen, gäbe es nicht eine   derart grosse Kritikwelle.  Solche Kritiken fallen nicht einfach vom Himmel, sie sind begründet! Im Gegensatz zu den unbegründeten  Behauptungen der beiden Herren. 
Zum Beispiel der Satz von Herrn Patrick Gmür Die Zeit der grossen städtebaulichen Entwürfe aus einer Hand ist vorbei„. Dieser Satz an sich ist schon unfundiert ,  – lassen wir den Zwischensatz „aus einer Hand“   mal weg, welcher populistisch ist, und konzentrieren wir auf dessen Kernaussage  – Die Zeit der grossen städtebaulichen Entwürfe ist vorbei.-  Was ist den der Masterplan?,  er ist ein städtebaulicher Entwurf par excellence;  auf einer noch abstrakteren Ebene der Volumen. Und gerade dies ist eben Städtebau: die Setzung der Volumina und die Definition der Aussenräume. Und innerhalb einer bestehenden Urbanstruktur ist eben guter Städtebau , dass diese Volumina an die richtigen Orte gesetzt werden, wo bereits Weiterentwicklungspotentiale schlummern, damit auch hier im Hochschulgebiet positive räumliche und funktionale Synergien entstehen. So wie es eigentlich als  wissenschaftliches  Ober Ziel der drei Entitäten UZH, UNI und ETH formuliert ist: Schaffung von Synergien. Liest man die Argumentation von Herr P. Gmür weiter, stellt man fest, dass hier Städtebau mit Entwurf von Einzelgebäuden verwechselt werden.  Es ist ja jedem Erstsemestler bereits klar, dass mit der heutigen rasanten Entwicklung der Technologie  eine zu frühe Festlegung der Gebäudeformen nicht sinnvoll ist, da die räumlichen Anforderungen, mit der technischen Entwicklung sich ständig ändern. –  Ich wiederhole die Kritik am Masterplan ist eben gerade diese, dass die Volumina am falschen Ort gesetzt wurden, da nützt es dann nichts mehr mit Architektur / Wettbewerben / Studienaufträge etc. zu argumentieren, das Unheil ist a priori definiert. Im weiteren, würde man  dem Satz „die Zeit der grossen städtebaulichen Entwürfe ist vorbei“   konsequent folgen, bräuchte es gar keinen gezeichneten Masterplan, sondern lediglich geschrieben Regeln, das Resultat von solchen Vorgehen kennen wir alle; die Chaotische Zersiedelung der Schweiz.
Der zweite logisch nicht  hergeleitete Satz stammt von Herr Wilhelm Natrup: „Die einfachen Lösungen sind nicht zu Ende gedacht„, entbehrt jeden Bezug zu den Kritiken, und ist somit lediglich eine Satzhülse.-  Sicher ist; dass eben die Verantwortlichen des  vorgeschlagenen Masterplans den Weg des geringsten Wiederstandes  gesucht haben, und nun durch die massive Kritik von aussen, endlich gemerkt haben, dass die einfache Lösung welche sie gesucht haben, nicht zu Ende gedacht war und nun wieder über die Bücher gehen müssen…..   

2 Gedanken zu „Projekt Berthold im Hochschulgebiet Zürich: ein weisser Elefant

  1. m. weber

    Gute Analyse, es muss mit allen Mitteln verhindert werden , dass auf dem wichtigsten Zürcher Plateau, ein Sammelsurium von zusammenhangslosen Willkürlichkeiten entstehen, welche die ganze Stadt Zürich auf allen kutlurellen Ebenen langsam degradieren würden: Zürich West und Zürich Nord, sind bereits der Anfang dieses schleichenden Prozesses welcher sich über Jahrzehnte weiter ausdehnen wird, bis es ein point of no return gibt. – Zürcher Politiker wacht endlich auf !!!!!!

    M. Weber

    Antworten
  2. Andre Sutter

    Mit grosser Besorgnis beobachte ich als Schweizer aus dem Ausland , wie frivol die Zürcher mit ihren Politikern, Institutionen und Planern, ihre Stadt mit einer Akkumulation von städtebaulichen Konzeptlosigkeiten langsam und sicher zerstören. Ich frage mich auch was haben die Architekten an ihren Schulen überhaupt gelernt, – wo bleiben die Proteste gegen solche Kulturlosigkeit der Soziologen und Kunsthistorikern und sonst an Kultur interessierten. Gerade an diesem wichtigen Ort die einmalige Chance mit diesem Vorhaben, Städteplanung zu betreiben, leichtfertig wegen kleinkarierter Kurzsicht, zu vergeben, ist alles andere als eine gute Referenz für den Forschungsstandort Schweiz.

    MFG Andre Sutter, Boston – USA

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Erweiterungsbau Landesmuseum Zürich: eine Wannabe Sculpture

 Vision nicht erreicht: schade !

 

Modell Erweiterung Landesmuseum Zürich

Modell Erweiterung Landesmuseum Zürich, Foto aus dem Internet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Erwartungen an die serpentinartige Form des Vorprojektes waren enorm, vor allem wenn man diese Serpentine auf Fussgängerhöhe neben der alltäglichen Seitenansicht simultan auch deren Aufsicht und Untersicht betrachten kann, wäre es vom Prinzip her nur konsequent gewesen , so wie im Vorprojekt angedeutet, dass diese „Skulptur“ konsequent auch wie eine Skulptur behandelt worden wäre. Das heisst, alle drei Ansichten hätten mit dem gleichen noblen Material durchgezogen werden sollen.

Ansicht Erweiterungsbau Landesmuseum Zürich

Ansicht
Erweiterungsbau Landesmuseum Zürich

Ansicht Februar 2016 Erweiterungsbau Landesmuseum Zürich

Ansicht
Erweiterungsbau
Landesmuseum Zürich

Was nun da steht, ist gegenüber dem damals, als exzellent bewertete Wettbewerbseingabe, eine Enttäuschung.

Es wurde keine Skulptur sondern ein „extravagant“ normales Gebäude hingestellt, mit einer alltäglichen Beton-untersicht, wo am Übergang von Wand zu Untersicht, klar zum Ausdruck kommt, dass  die Tuffsteinimitation der Wände lediglich ein dünnes Applique ist. Und mit einem billig anmutenden „Eternit“ Welldach; welches die ganze, mit diesen einmaligen Vorhaben, aufgebrachten Anstrengung wieder zunichte macht. Auch der Übergang vom Altbau zu Neubau ist an diesem Ende (siehe Bild unten) der Serperntine durch den schiefen Winkelanschluss zu  grobschlächtig: Die elegnate Leichtigkeit des Modells ist bei dessen Umsetzung in die Realität nicht gelungen.   – schade !

Ansicht im Februar 2016 Erweiterungsbau Landesmuseum Zürich

Ansicht
Erweiterungsbau
Landesmuseum Zürich Foto aus dem Internet

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Der wahre Grund für die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative:

Die chaotische Zersiedelung der Schweiz !

Touristenrouten als Indikator
Als ich vor einiger Zeit, – um Zürich besser kennen zu lernen – einen Citytourbus zusammen mit Touristen aus Übersee bestieg, kam ich mir nach einer halben Stunde geprellt vor, gezeigt wurden lediglich die beiden Limmatquartiere und die Aussicht von der Politerasse, – eben nochmals lediglich die Sicht auf die beiden soeben vorgeführten Limmatquartiere. Dabei habe ich mir erhofft, dass auch die neu entstandenen und im entstehen befindlichen Quartiere in Zürich, über welche ich in den Architekturzeitschriften und Fachartikeln der Tageszeitungen nur Lob in höchsten Tönen gelesen habe, selbstverständlich auch gezeigt würden. – Auch in den Kopfhörern war nichts darüber zu hören. – Eigentlich bizarr – Vergleicht man aber die Citytours weiterer Europastädte, so stellt man fest, dass Zürich nicht die Ausnahme ist.

Voreilig könnte man die These aufwerfen: – „Touristen sind ohnehin nur Laien und verstehen nichts von zeitgenössischer Architektur und Urbanismus und somit sind diese nicht geeignet neuen Quartiere zu verstehen. – „Am besten ist, man zeigt den Leuten „Bilder“ welche sie bereits kennen, somit geht das Touristenunternehmen auch kein Risiko ein.“ – Diese These ist vom kommerziellen Standpunkt richtig, – am besten man setzt auf altbewährtes -. Aber vom kulturellen Standpunkt ist diese Haltung falsch, weil Architektur und Urbanismus für die ganze Gesellschaft gemacht wird und nicht nur für „Insiders“. Und die am Ort wohnhafte Bevölkerung gezwungen ist in den neuen Quartieren zu wohnen, zu arbeiten oder auch nur, diese tagtäglich anzuschauen.

Die Frage ist nun: Was haben die von den Tourismusveranstaltern gezeigten Stadtteile auch in andere Ländern gemeinsam, so dass es sich immer wieder lohnt nur diese zu zeigen? – Die Antwort beschränkt sich auf zwei Grundeigenschaften: erstens diese Stadteile weisen klar definierte, für den Fussgänger wahrnehmbare Aussenräume auf und zweitens besitzen diese eine durchgehende ablesbare, ordnende und hierarchielose Raumstruktur. Wo auch die Orte für städtebauliche Akzentuierungen planerisch klar vordefiniert wurden und die Materialisierung der Einzelbauten sich der Gesamtstruktur unterwerfen. – Und diejenigen Stadtteile welche nicht besucht werden besitzen diese beiden Grundeigenschaften eben nicht. In den nicht gezeigten,  baut jeder autistisch ohne Bezug zur Umgebung, sei es innerhalb einzelner Eigentumsparzellen, oder im grösseren Massstab mittels Arealbebauungen. Aus diesem Grunde sind diese Stadteile optisch beliebig und somit unattraktiv.

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Wollerau

Brasil Slums

Slum in Rio de Janeiro

Die Uraschen von Chaos und Ordnung im ökonomischen Planungskontext
„Die Verteilung der Ressourcen in einer Volkswirtschaft unterliegt dem Naturgesetz welches besagt: dass ab einem gewissen Grad der Wohlstand des einen nur auf Kosten des anderen vergrössert werden kann.“ – Dieser mutmasslich von Vilfredo Pareto (Italienischer Oekonom 1848-1923) stammender Gedanke, trifft auch für die Stadtplanung und Architektur zu, weil diese auch Bestandteile der Volkswirtschaft sind und daraus lassen sich weitere Gedankengänge ableiten:
Was haben diese beiden Bilder links gemeinsam, und was trennt sie?
• Beide Bilder zeigen Hangbebauungen, das obere in einem hochentwickelten Land (Schweiz) und das untere in einem Schwellenland (Brasilien).
• Das obere Bild entstammt von einem sehr reichen Quartier und das untere von einem extrem armen Quartier.
• Die Bestandteile des oberen Quartiers wurden von Hochschulabsolventen bis ins letzte Detail „durchgestylt“, die Bestandteile des unteren Quartiers wurden von Semianalphabeten in Nachtschicht ad hoc selbst erbaut.
• Die Bestandteile des oberen Quartiers wurden mit teuersten Materialien hochgezogen, die Bestandteile der unteren Quartiers mit den billigsten, zum Teil mit Abbruchmaterialen und Gestohlenem erstellt.
• Die Bestandteile des oberen Quartiers wurden vorgängig zur Ausführung, einem intensiven Bewilligungsverfahren unterzogen, die Bestanteile des unteren Quartiers wurden über Nacht widerrechtlich erstellt.
• Die Bestandteile des oberen Quartiers wurden abgeschlossen, d.h. fertig gebaut, die Bestandteile des unteren Quartiers wurden, wegen mangelnden pekuniären Möglichkeiten unfertig belassen.
• Im oberen Quartier sind die Eigentumsverhältnisse bis zum letzten cm2 notariell festgehalten im unteren Quartier herrschen zum Teil Cosa Nostra ähnliche Verhältnisse.

Ästhetische Betrachtung
Trotz all diesen fundamentalen Gegensätzen: Herrscht von einer distanzierten und abstrahierten Sichtweise aus gesehen, im unteren Bild ein einheitliches Gesamtbild welches sich in die subtropische Landschaft einfügt, derweil im oberen Bild eine visuelle Unordnung herrscht und die sanfte Zürichseelandschaft verunstaltet. – Warum hat man diesen Eindruck? – Antwort: Weil das untere Bild ein System erkennen lässt, und im oberen  Bild ohne System und willkürlich vorgegangen wurde. – Eigentlich ein Paradoxon: unausgebildete Personen bauen mit System, währendem Hochschulabsolventen und innerhalb des streng gesetzlichen Rahmens, welcher ebenfalls von „hochqualifizierten“ Fachleuten erarbeitet wurde; anscheinend unsystematisch und willkürlich vorgegangen wird.

Methodologische Betrachtung
Wie kommt es zu solch widersprüchlichen Resultaten? – Ganz einfach: von der Metaebene aus analysiert, ist es die Freiheit der finanziellen und technischen Möglichkeiten im oberen Bild und die äusserst beschränkten Möglichkeiten im unteren Bild, welche den formalen Qualitätsunterschied ausmachen. – Angenommen die Slumbewohner hätten wenigstens die Mittel ihre Fassaden zu verputzen und zu streichen; hätte das untere Bild unzweideutig ein höheres ästhetische Niveau als das obere Bild, und die visuelle Integration des Quartiers in seiner Umgebung währe im unteren Bild noch harmonischer, was vom oberen Bild, trotz teurem Materialaufwand, nicht behauptet werden kann. Daraus kommt man zur Konklusion, dass die Beschränkung der Freiheit und der pekuniären Möglichkeiten zu systematischem Handeln zwingen, was implizit im landschaftlichen Kontext zu strukturell besseren Lösungen führt, als Planungsmethoden wo grosse technische und ökonomische Möglichkeiten vorhanden sind.

Saana

Saana mit System gebaut

Emmen / Luzern

Emmen / Luzern ohne System gebaut

 

 

 

 

 

 

Auch die beiden oberen Bilder zeigen die gleiche Problematik im linken Bild herrscht materialtechnische Beschränkung kombiniert mit klimatischen Notwendigkeiten, nebst weiteren ortspezifischen Gegebenheiten, welche zu einer bautechnischen und planerischen Tradition, sprich Kultur führten, die eine Harmonie ergeben, währendem das im rechten Bild das reinste Chaos herrscht, obwohl in einem Land wie der Schweiz wo jede Massnahme vorgängig der Ausführung unzähligen Durchgängen von Fachleuten unterzogen wurde.
Die beiden unteren Bilder zeigen die gleiche Problematik nur werden hier Stadtquartiere verglichen welche, im Gegensatz zu den vier vorhergehenden, den gleichen ökonomischen Entwicklungsstand aufweisen, – um hier nicht die Vorwand aufkommen zu lassen, dass eben bei den vorgängigen Vergleichen die eigentumsrechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in keiner Weise verglichen werden können – .

Typisches Beispiel von urbaner Unordnung Zürich West

Typisches Beispiel von urbaner Unordnung
Zürich West

Typsches Beispiel urbaner Ordnung , New York,

Typsches Beispiel urbaner Ordnung , New York,

Das rechte Bild zeigt Manhattan und das Linke Bild zeigt, das in der hiesigen Presse und von Politikern apologetisch bezeichnete „Neues Trendquartier Zürich West“. – Ebenfalls hier ist eklatant, in Manhattan herrscht Urbane Ordnung die Aussenräume sind klar definiert und im Massstab auf Augenhöhe menschlich, obwohl der Gebäudehöhen. Währenddem in Zürich West eine urbane Unordnung mit undefinierten Aussenräume herrscht. Und was in Zürich West den sogenannten „Trend“ bewirkt, sind nicht die Neubauten und die erzeugten Aussenräume (alias nichterzeugten Aussenräume) und Funktionen, sondern die vorläufigen Zwischennutzungen der Abbruchliegenschaften, – ein „Trend“, – welcher; – das Quartier einmal fertig gebaut, verschwinden wird. Siehe dazu den unterdessen am 14. März 2016 erschienene Artikel in der NZZ „Zürich-West und der urbane Albtraum“ , wobei hier zu bemerken ist, dass die Autoren dieses Artikels,  sich nicht über den Kern der Ursache bewusst sind,  (http://www.nzz.ch/zuerich/aktuell/nacht-und-kulturleben-nacht-und-kulturleben-ld.7415#kommentare).
Noch weitere Beispiele welche praktisch zeitgleich und in gleichen ökonomischen Verhältnissen am entstehen sind; wie Zürich Nord versus Hafenstadt Hamburg zeigen die gleiche Problematik, die urbane Qualität der Hafenstadt Hamburg ist unvergleichbar höher als Zürich Nord oder Limmatfeld in Dietikon.

Streubauweise: Die Ursünde der Raumplanung
Nicht umsonst, werden mit den Touristenbussen in Zürich die neu entstehenden Quartiere, auf die;- die hiesige Fachwelt immer wieder so stolz in den Medien berichtet, wie am Anfang erwähnt, gar nicht erst gezeigt. Gezeigt werden die linken und rechten Limmatquartiere und die Politerasse, von wo man diese beiden Limmatquartiere von oben nochmals sehen kann. Deswegen weil es in den neuen Quartieren ausser neu aufgestellten Renditeimmobilen nichts zu zeigen gibt; welche ein kohärentes städtebauliches Bild abgeben würden. Das heisst, in den neuen Quartieren ist kein städtebauliches Konzept vorhanden. Sie sind das Resultat von einer Aneinanderreihung von individuellen Gestaltungsplänen, ohne gestalterisch volumetrischen Bezug zueinander. Diese Gestaltungspläne wiederum werden in sich, durch Arealbebauungen zersplittert und zur Steigerung der sich anbahnenden Unordnung, werden diese Arealbebauungen mittels Wettbewerbe mit autistischen Einzelbauten bestückt, wie zum Beispiel beim Hunzikerareal in Oerlikon, wo auch das unverhältnismässig teure, mit einem kurzsichtig, unflexiblen und lediglich auf sich bezogenem Grundkonzept, erst neulich fertig  gestellte Schulhaus Leutschenbach steht. Und kurz nach dessen Einweihung bereits heute schon wieder zu klein ist und nun mit provisorischen Pavillonbauten ergänzt werden muss ; – eindeutig das Resultat unprofessioneller Voraussicht und Planung von Seiten der Bauherrschaft, und egoistisch nur auf das eigene Prestige bedachte architektonische Umsetzung von Seiten der Architekten, – auf Kosten des Steuerzahlers notabene.
Das triste Resultat von solchen Vorgehensweisen lässt sich in allen Agglomerationsgemeinden wie auch z. B. von Emmenbrücke (siehe Bild unten) bis Dietikon an der Limmat feststellen.

Emmenbruecke

Emmenbruecke Chaos par exelence

Zu den Ursachen
Nebst den Eigentums-verhältnissen; ist es im Grunde genommen, vor allem die hiesige Architekturtraditon, welche sich auf den individuellen Bau und nicht auf den Kontext fokussiert das Übel an dieser Situation. Denn dieser Denkansatz fördert den Egozentrismus und die Eitelkeit der Entwerfenden und der Investierenden auf Kosten des Kontextes, und somit auch auf Kosten des räumlichen Wohlbefindens der Allgemeinheit. Auch mit den Ausnahmeregelungen wie höhere Ausnützungsziffern und grössere Gebäudehöhen welche die Arealüberbauungen ermöglichen, ergibt sich für diese einen Mehrwert auf Kosten der Nachbarliegenschaften, welche diese Möglichkeit nicht haben. Diese Nachbarliegenschaften erleiden sogar einen Minderwert im Vergleich zum Zustand vor der Realisierung der nachbarschaftlichen Arealüberbauung. – Nicht ohne Grund werden Arealüberbauungen heftig von den jeweiligen Nachbarn mittels Einsprachen bekämpft.

Rautistrasse Zürich

Rautistrasse Zürich Mehrwert auf Kosten der Nachbarschaft

Mehrwert auf Kosten der Nachbarschaft Höngg Zürich

Mehrwert auf Kosten der Nachbarschaft Höngg Zürich *

typisches Beispiel planerischer Willkür zusammenhangslose Adition von beliebigen Arealbebauungen Neu Affoltern

Typisches Beispiel planerischer Willkür, zusammenhangslose Addition von beliebigen Arealbebauungen Neu Affoltern

Gleiches Verhalten begegnet man im Finanzsektor. Obwohl dieser Parallelen, sind sich die weltweit unabhängigen Oekonomen zum Teil längstens über die Negativfolgen der egozentrischen Verhaltensweisen der Finanzakteure auf den reellen gesellschaftlichen Kontext bewusst (siehe dazu den oben erwähnte Gedankengang von V. Pareto). Im Gegensatz zu den Architekturapologeten, die weiterhin Loblieder über die einzelnen Bauten und Arealüberbauungen schreiben, in völliger Ignoranz der externen Effekte welche diese verursachen.  – Warum dies in Bezug auf über Architektur Schreibende so ist, kann man vermuten:
• Erstens: dem Kontext fremde Bauten haben unmittelbar keine direkt bewusste Auswirkungen auf die Existenz der Menschen; das heisst deren Nebeneffekte auf das soziale Umfeld wurde bis anhin nicht erforscht.
• Zweitens: Kontext fremde Bauten fallen auf und somit liefern sie Gesprächsstoff. Fachzeitschriften leben vor allem von den Inseraten der Bauzulieferwirtschaft, für deren Werbeeinnahmen sind Kritiken jeglicher Art kontraproduktiv, und Themen über städtebauliche Zusammenhänge bringen keine Inserate.
• Drittens: ein Architekt kritisiert den anderen nie, aus Angst als Futterneider stigmatisiert zu werden.
• Viertens: es ist die föderalistische Politik, welche konzeptmässiges Denken verhindert, jeder entwirft vor sich her und unternimmt alles um sich gegenüber den Nachbarn zu differenzieren.

Typisches Beispiel von urbaner Unordnung Dietikon b. / Zürich

Typisches Beispiel von urbaner Unordnung Dietikon b. / Zürich

Typisches Beispiel von urbaner Unordnung Oerlokon

Typisches Beispiel von urbaner Unordnung Oerlikon

Typisches Beispiel von urbaner Unordnung Oerlikon

Typisches Beispiel von urbaner Unordnung
Oerlikon

 

 

 

 

 

 

Der Kontext liefert den Charakter einer Stadt oder Quartiers, nicht die Einzelbauten.
Um ersprießlichen Städtebau zu erzielen, geht es nebst der Planung der Infrastruktur vor allem, – nein sogar hauptsächlich, – um die Form und Definition der Aussenräume oder Zwischenräume und nicht um die Form der Bauten an sich. Wichtig sind die Strassenräume und die Plätze, also das Verhältnis der Bauten unter sich und wie diese Aussenräume benutzt werden. – An allen Orten weltweit wo die urbanen Aussenräume stimmen, gehen die Leute hin, und halten sich dort auch gerne auf. Die Aussenräume müssen den Fussgänger führen und müssen das Gefühl des räumlichen Überblicks geben und auch Geborgenheit ausstrahlen. Dieses Gefühl ist vom Massstab unabhängig, solange der Aussenraum definiert ist. – Vergleiche dazu zum Beispiel ein Spaziergang durch  die Niederdorfstrasse in Zürich oder einer entlang der Parkavenue in New York oder der Regent Street in London. – Diese Räume sind klar definiert und geben den Fussgängern das Gefühl, dass sie beim Spaziergang nichts verpassen. Es sind eben diese Stadtteile welche uns die Touristenbusse zeigen und nicht in die überall auf der Welt zufällig entstandenen Agglomerationen gespickt mit Anneinaderreihungen von autistischen Entwürfen, welche letztendlich nach einer Weile, beim Betrachter lediglich ein ermüdendes Kermessesyndrom auslösen.
Die historischen Stadtteile sind weltweit so beliebt, weil diese eben die drei Grundeigenschaften welche einen gelungenen Stadtteil ausmachen, ausweisen:
1. Klar definierte, also sinnlich spürbare (ästhetische) , Aussenräume.
2. Durchgehend definiertes Konzept über grössere zusammenhängende Areale
3. Einheitliche Materialisierungen und Volumina mit Ausnahmen an vorgängig definierten Orten.

Typisches Beispiel von urbaner Unordnung Prag

Typisches Beispiel von urbaner Ordnung Prag

Typisches Beispiel von urbaner Ordnung Amsterdam

Typisches Beispiel von urbaner Oordnung Amsterdam

Brügge

Typisches Beispiel von urbaner Ordnung Brügge Belgien

 

Niederdorf Zürich klar definierter Raum

Niederdorf Zürich
klar definierter Raum

Park Avenue New York klar definierter Raum

Park Avenue New York
klar definierter Raum

Regent Street London klar definierter Raum

Regent Street London
klar definierter Raum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei Orten mit Wasseranstoss von mehreren Seiten her , wie z.B. in Oslo, Hamburg, Rotterdam oder Singapur ist man in der Gestaltung freier, weil die angrenzenden Wasserflächen dazu den über ordnenden Rahmen bilden.

z.B Oslo

z.B Oslo

z.B. Rotterdam

z.B. Rotterdam

z. B. Singapur

z. B. Singapur

Somit sei hier festgehalten: die urbanistische Ursuppe wurde längst gekocht, sie muss nicht neu erfunden werden.- Das bedeutet,   über grössere Areale welche sich durch natürliche landschaftliche Gegebenheiten unter sich abgrenzen: klar vordefinierte Konzepte, und somit strengere Gestaltungsregeln, an welche  sich die Bauenden halten müssen. Die Abgrenzung von landschaftlichen Gegebenheiten von einem Raumbild zum Anderen, können mittels Parzellen Melioration auch die mit der ökonomischen Entwicklung notwendige urbane Skalierungen aufgenommen werden. Die Gesellschaft darf sich nicht wie bis anhin auf die Innovationskraft der Architekten verlassen. Diese wollen vor allem eines: Dass ihre Bauten in Zeitschriften publiziert werden und wenn nicht dann berappen diese eben selbst eine Monographie mit finanzieller Hilfe der Bauzulieferindustrie. – Architekturmonographien, die ausser einigen Praktikanten, angesichts der enormen Bilderflut im jetzigen Zeitalter, ohnehin niemand mehr anschaut, – geschweige den liesst. Und die darin angebliche „Innovation“, sich lediglich auf die Form beschränkt, und von neuem Inhalt weit und breit nichts zu sehen, geschweige den zu lesen ist. Die Grundinnovationen im Städtebau und im Bauwesen kommen von den Natur-, Ingenieur- und Materialwissenschaften, aber nicht von den Architekten. Man denke nur schon an die simple Tatsache: „was währe die zeitgenössische Architektur: wenn es das Silikon nicht gäbe“ ?!

Was hat nun die angenommnen Masseneinwanderungsinitiative mit all dem oben vorgeführten zu tun?
Antwort: Es ist diese willkürlich gebaute Suburbiahässlichkeit, welche sich auf Grund der Bevölkerungszunahme in den letzten Jahren in der ganzen Schweiz wie ein Krake, ohne Rücksicht auf die sehr delikate voralpine Schweizer Landschaft, geprägt von der speziellen Topographie und Vegetation, ausbreitet und somit Assoziationen mit dem Wort Überbevölkerung hervorgerufen haben. – Dies erklärt auch weswegen vor allem die Land- und Vorortbevölkerung, und nicht die Stadtbewohner der Masseneinwanderungsinitiative zugestimmt haben. Es ist diese Bevölkerungsschicht welche dieser „urbanistischen Unordnung“ tagtäglich ausgesetzt ist; und nicht die Stadtbevölkerung, wo die Urbanstruktur längstens definiert ist und durch die Einwanderung baulich weniger  tangiert wird.

Zusammenfasend kann man somit die These aufstellen, dass die hiesige Raumplanung und deren Politik, letztendlich versagt haben.

 

Ps. Alle hier präsentierten Fotos stammen aus dem Internet

  • Dass die Nachbarschaft gegen dieses Projekt Rekurse eigereicht hatte wusste ich nicht.  Der kürzlich publizierte Bundesgerichtsentscheid über dieses Projekt bestätigt meine These vollumfänglich. – Da waren profilierungssüchtige Planer, Juroren und Beamte am Werk welche sich auf Kosten der Umgebung einen Namen als „INNOVATIVE“ machen wollten.
  • Übrigens eine „Innovation“ welche einem grundlegenden planerischen Gedankenfehler entstanden ist: Nämlich ein Blockrand macht nur dann Sinn, wenn er in einem Verbund von weiteren Blockränder integriert werden kann und somit Teil eines Systems wird. –  Ich frage mich schon, was für angebliche „Fachleute“ da mitentschieden haben……….5. Sept. 2016

 

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Der Hafenkran ist kein Ready made

Sind der Hafenkran an sich und die Hafenkraninstallation am Zürcher Limmatquai Kunst, wenn ja welche makrokulturellen Zusammenhänge lassen sich dann ableiten?

Einleitung .

Es ist erstaunlich wie gross die öffentlichen Reaktionen vor und nun auch auf dieses Begebnis waren. Erstaunlich ist auch, dass der grösste Teil dieser Reaktionen, (laut Recherchen von SRF Kultur), die Installation Hafenkran zu 65% ablehnen, 20% positiv zum Hafenkran stehen und 15% dieser Begebenheit indifferent gegenüberstehen. Die grosse Frage ist: Warum ist die Ablehnung derart massiv? – Grob gesagt würde ich nebst dem immer wiederkehrenden unnötigen Politikgezänk, ein generelles, bewusstes oder unbewusstes, Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der herrschenden „neoliberalen“ Durchlässigkeit von Konsum, Kunst und Kommerz identifizieren. – Also ein berechtigtes Unbehagen der Allgemeinheit gegenüber der willkürlichen Synkretismusorgie, wo es immer unmöglicher wird, die Wahrhaftigkeit einer Kunstintention zu erkennen.

Bevor ich den Versuch unternehme zu bestimmen ob der Hafenkran an sich, und die räumliche Intervention mit dem Hafenkran nun Kunst ist oder nicht, möchte ich; mit einem spekulativen Gedankenexperiment beginnen: Nehmen wir zwei Möglichkeiten an:

  • erstens: am Ort des jetzt aufgestellten Hafenkrans wäre eine abstrakte Skulptur im gängigen Sinn, aufgestellt worden.
  • zweitens: der Hafenkran wäre z. B. entlang der Zürichsee Promenade, oder am Platzspitz aufgestellt worden.

– Wie würden die Leute auf diese zwei Möglichkeiten reagieren? –

Im ersten Fall wären fast keine Kommentare zu erwarten, und im zweiten Fall wären einige Kommentare der Betrachter zu erwarten vor allem in Bezug auf die Kosten, in Bezug des Sinns oder den Zweck einer solchen Aktion, ev. würde der Kran an sich auch Gegenstand von Kommentaren, die Anzahl der Kommentare würden sich aber in Grenzen halten. Warum nehme ich an, dass dies so wäre? Zum ersten Fall, – dem einfacheren: – Die Leute haben sich in der heutigen Zeit längstens daran gewöhnt, Kunstgegenstände mit eigenmächtigen Ausdehnungen zu betrachten und solche gelegentlich auch auf öffentlichen Plätzen zu sehen. Und wenn es sich z.B. um einen „namhaften“ Künstler handelt glaubt man einfach, dass es Kunst ist; ohne weiter das Werk an sich zu analysieren und zu hinterfragen wie dieser Künstlername vermarktet wurde.

Währendem die zweite Annahme etwas komplexer ist; – warum: weil in diesem Fall ein Hafenkran keine willkürliche Form ist, und für den Bau des Hafenkrans kein angeblicher Künstler steht, und der Hafenkran in einer Umgebung stehen würde die unabhängig von einer mittelalterlichen Altstadtkulisse ist, welche im Zusammenspiel mit dem Kran eine optische Massstabsvibration hervorruft, welche von der, vom Autor, öffentlich intendierte Absicht ablenkt: Nämlich der Erzeugung von Fernwehgefühlen. Die Betrachter würden in diesem Fall mit dem dazu nötigen ästhetischen Freiraum eher unvoreingenommen die Konstruktion des Krans an sich auf eine objektive Weise analysieren. Selbstverständlich würde auch in diesem Fall der Sinn dieser Installation hinterfragt; mit Sicherheit aber würde der zweite Fall, keine so grosse Aufmerksamkeit hervorrufen wie die tatsächliche Platzierung des Hafenkrans am Limmatquai.

Liest man die vielen eingereichten Kommentare durch, so ist eines sicher, fast keine nehmen Bezug auf die vom Künstler kommunizierte Absicht dieser Aktion; nämlich das Hervorrufen eines sanften Fernwehs. Der Effekt den dieser hervorruft oder erzeugt, geht in eine ganz andere Richtung. – Es ist zu vermuten, dass die versteckte Intention des Künstlers auch dieser Zusatzeffekt ist, welche er hervorgerufen hat, nämlich das Gegenteil eines sanften Fernwehgefühls; dies aber vorgängig der Auftragserteilung aus politischen und psychologischen Gründen in ein romantisches „Gehäuse“ gekleidet hat um die bewilligende Behörde nicht allzu stark zu provozieren; das heisst die latent vorhandenen Vorurteile bei konservativ eingestellten Politikern a priori hervorzurufen, welche das Vorhaben hätten gefährden können.

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Vorabklärungen zur Eingrenzung der Eingangsfragen

Im Buch, Einführung in die philosophische Ästhetik der Philosophin Maria E. Reicher izählt sie fünf Theorien auf, welche sich im Laufe der Zeit gebildet haben um Kunst zu definieren, demnach was Kunst im ästhetischen Sinn, als sinnliche Wahrnehmung ist. Darin beschreibt sie diese Theorien ausführlich und erwähnt auch deren Unzulänglichkeit bei den praktischen Anwendungen. Um diese Unzulänglichkeiten zu umgehen präsentiert Frau Reicher auch noch eine sechste, eigene Theorie.

Diese Theorien sind, hier sehr kurz zusammengefasst, folgende:

1. die Darstellungstheorie, 2. die Ausdruckstheorie, 3. der kunstästhetische Formalismus, 4. die Institutionstheorie, 5. die Theorie der Familienähnlichkeit, und schliesslich 6. die Kommunikationstheoretische von Frau Reicher

1. Die Darstellungstheorie: ist die älteste Kunsttheorie, gemäss dieser muss jeder Kunstwerk etwas darstellen beziehungsweise auch nachahmen. Diese scheiterte aber an Gegenbeispielen der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts oder der Musik und der Architektur. 2. Die Ausdruckstheorie: gemäss dieser muss jedes Kunstwerk einen bedeutenden Gehalt ausdrücken. Diese Theorie ist deswegen unbefriedigend weil nicht alles was einen bedeutenden Gehalt ausdrückt ein Kunstwerk ist. 3. Der kunstästhetische Formalismus. Gemäss diesem sind Kunstwerke durch bestimmte Formen charakterisiert, es ist aber unmöglich dass in allen Kunstwerken eine gemeinsame Formen gibt. 4. Die Institutionstheorie: gemäss dieser werden Gegenstände zu Kunst, wenn diese von der Kunstwelt als Kunst anerkannt wird; oder. besser gesagt zur Kunst deklariert wird. Die Negativkonsequenzen laut Frau Maria E. Reicher ist das Problem der nicht entdeckten Werke, welche somit keine Kunst sein können. 5. Die Familienähnlichkeitstheorie. Gemäss dieser Theorie besitzen alle Kunstgattungen einige ähnliche Merkmale, diese Theorie hat aber den Mangel, dass sie nicht erklären kann wann und warum das Wort Kunst verwendet wird. 6. Die Kommunikationstheoretische Definition der Kunst“, diese stellt die Interpretation des Autors in den Mittelpunkt, das heisst: wenn der Autor durch sein Schaffen eine ästhetische Absicht intendiert, ist das Kunst. Der Vorteil dieser Theorie ist laut der Autorin, dass alle Kunstrichtungen abgedeckt sind und somit keine ausgeschlossen wird, der Nachteil aber ist auch laut der Autorin, dass sie zu weit gefasst werden kann, und somit kein Instrument in die Hand gibt den Kitsch auszusondern.“

Die Knacknuss bei den ersten fünf Theorien ist, dass diese Theorien generalisierend sind, und somit für jedes „Kunst“ Werk, zur entsprechenden Theorie, die passende Eigenschaften zu finden sind (nach dem Form; – x ist genau dann ein Kunstwerk wenn x mit der Definition der entsprechenden Theorie übereinstimmt), welche für die Definition von Kunst für alle Kunstrichtungen und Epochen eingesetzt werden können! – Und solch universell anwendbare Eigenschaften gibt es schlichtweg nicht; und auch deswegen nicht weil jeder Kunstschaffende der etwas auf sich hält, alles daran setzt, keine Eigenschaften zu produzieren welche bereits in eine bestehende Theorie passen würden. Meiner Ansicht nach, ist die Institutionstheorie, seit der Liberalisierung der Finanzmärkte auch höchst problematisch, da diese im heutigen Geiste der Hochfrequenzspekulation dem ebenfalls zügellosen Kunstbranding Tür und Tor öffnetAuch die bei der Kommunikationstheorie würde ich das Wort „minderwertige Kunst“ anstelle von Kitsch gebrauchen, weil es für Kitsch, bis dato meines Wissens, keine brauchbare Definition gibt.

Tiefgründigkeit der künstlerischen Intention.

Ergänzend zur Kommunikationstheoretische Definition der Kunst würde ich die Tiefgründigkeit der künstlerischen Intention ins Feld führen. Bei dieser Methode liegt die intellektuelle Arbeit der Kunstdefinition, bei Werken, wo die sinnliche Wahrnehmung nicht a prima vista erkennbar ist, bei der Beurteilung der Tiefgründigkeit der Intention. Das heisst nebst formalen Objektanalysen, soll vor allem mittels Gespräche mit dem Autor analysiert werden was hinter dem Werk steckt, alternativ könnte man vor allem wenn es sich um „Gegenwartskunst“ handelt zu jedem Werk ein Art factsheet (Erläuterungsblatt) vom Autor verlangen. Mit diesem Vorgehen kann ergründet werden wie viel urteilsfähiger geistiger Input von Seiten des Autors im Werk steckt und wie viel geistiger Input von Seiten der Betrachter zum Verständnis des Werkes aufgebracht werden muss. – Wobei folgende Regel gilt: sobald die Waage des intellektuellen Aufwandes im interpretieren des Werkes auf Seite des Betrachters fällt; es sich nicht um ein Kunstwerk, sondern um ein Blendwerk handelt, und falls die Waage auf die Seite des Autors fällt, es sich lediglich um einen künstlerischen Versuch handelt, also auch kein Kunstwerk ist. Falls die „Waage“ sich in horizontaler Position begibt, es sich um ein Kunstwerk handelt. Abgekürzt könnte dieses Modell die „ästhetische Gleichgewichtstheorie“ genannt werden. – In diesem Zusammenhang sei zu erwägen, dass es weitere menschliche Tätigkeiten gibt bei welchen die Verfasser sich primär nicht als Künstler präsentieren aber bei ihrer Arbeit auch eine ästhetische Absicht verfolgen, man denke zum Beispiel an die Ingenieure, Physiker, Mathematiker etc, welche mit enormen intellektuellem Aufwand über viele Jahre dauernde Entwicklungsarbeit; komplexe und äusserst elegante Modelle unserer Welt erarbeiten, und zusätzlich noch brauchbare physische Werke kreieren welche die Menschheit weiterbringen, und wenn die Betrachter den nötigen Sachverstand mitbringen, diese Modelle und Werke absolut als schön, also auch als sinnliche Wahrnehmung empfinden. – Ob diese Personen nicht doch die wirklichen Künstler sind? – Gerade im heutigen Zeitalter, mit dem in jeder Hinsicht überbewerteten „neoliberalenii“ Kunstrummels (z. B. Art Basel), ist diese Frage eigentlich dringender den je! –

Zur ersten Frage: Ist der Hafenkran an sich Kunst?

Um diese Frage zu beantworten eignet sich die Theorie des kunstästhetischen Formalismus, unbeachtet der theoretischen Anforderung der Allgemeingültigkeit solcher Theorien, hier spezifisch für den vorliegenden Fall (Ingenieurbau) angewendet, gut. Zur Erreichung einer befriedigenden ästhetischen (sinnlichen) Wahrnehmung wurde im frühen 20.Jh. folgender formalkonstruktive Grundsatz formuliert: „die Form folgt der Funktion“. Wobei selbstverständlich vor allem in der Anordnung der Funktionen die grössere kreative Arbeit liegt über welche dann die konstruktive Form abgeleitet wird. Das hier aufgestellte Kranmodell ist eindeutig ein Kind dieser Zeit und Grundsatz; und somit ist dieser Kran: Kunst! – Die ontologische Frage, wo die Wesenseinheit Kunst dieses hier aufgestellten Krans nun tatsächlich ist, ob bei der Aufgabenstellung, den Berechnungen dem Entwurf oder beim Prototyp etc. ist für unseren Zweck nicht von Belang, da die sinnliche Erfahrung auch mit diesem „xten?“ Modell voll vorhanden ist. Fundierte Argumente warum dieser Kran an sich auch als schön bewertet werden kann, liefert Benedikt Loderer am 24.04.2014 unter Tages Anzeiger. ch.

Zur zweiten Frage: Ist die Installation des Hafenkrans Kunst?

Um diese Frage zu beantworten eignet sich die „kommunikationstheoretische Definition“ von. Maria E. Reicher gut. Vorgängig möchte ich aber unterstreichen, dass es nach meiner Auslegung sich beim Hafenkran, nicht um ein Ready-made handelt welches durch eine Deplatzierung in ein Kunstwerk verwandelt wird. Wie ich oben bereits abgeleitet habe, ist dieses Hafenkranmodell an sich schon ein Kunstwerk und zwar ein Ingenieurkunstwerk der Moderne. – Dass mit der Deplatzierung und Installation des „Mediums Hafenkran eine ästhetische Erfahrung intendiert wird“ steht ausser Frage, dies hat der Autor auch so kommuniziert. Somit ist diese Begebenheit nach der Definition oben: Kunst! Die weitere Frage lautet nun, welcher Wert (nicht pekuniärer) hat diese Kunst, oder wie tiefgründig oder bedeutungsvoll ist diese Installation? Der Hafenkran wird in seiner neuen Umgebung „ verfremdet“ und dadurch gibt er keine Antworten sondern ruft Fragen hervor (eigentlich eine dekonstruktivistische Attitüde) welche interpretiert werden können. – Da ich den Autor nicht kenne und auch kein Autorenerläuterungspapier zu dieser Installation vorliegt, besteht, nach meiner persönlichen Charakterisierung, die kreative und geistige Leistung in der Installation dieses und genau nur dieses Hafenkranmodells; und exakt an dieser Stelle und nur an dieser Stelle wo er jetzt platziert ist. Auch die Positionierung des Krans, wie die Ausrichtung, der Kabine und des Auslegers , senkrecht zur Limmat, zur Erzeugung von räumlicher Spannung, beweist, dass der Autor sich vorgängig genaue Gedanken über die Proportionen des Krans in Bezug auf seinen zukünftigen räumlichen Kontext gemacht hat. Der Krangrundriss ist passgenau mit der Platzabmessung. Auch in der dritten Dimension korrespondiert der Krankörper, (obgleich seiner Grösse, Form, seiner ortsfremden Urfunktion, in diesem räumlichen Kontext fremden Dreibeinabstützung) mit der Altstadtkulisse und dem offenen Limmatraum. Das heisst er „sitzt“ räumlich in der Situation. Aus dem oben Erwähnten, kann deduziert werden, dass der Autor nebst den Abmessungen mit der Auswahl dieses Kranmodells, sich Gedanken über weitere mögliche Bezüge zwischen dem Kran und seinem Kontext gemacht hat; und damit ergibt sich nach meiner Auffassung ein Messinstrument zur Wertung dieses Werkes : Der Wert eines Kunstwerkes, ganz allgemein, ist direkt proportional zur Anzahl seiner Deutungsmöglichkeiten. Und falls die Deutungen abstrakt genug sind, können davon weitere abgleitet werden. In diesem Fall, mit der Installation des Krans an genau diesem Ort, entstehen etliche; ich erwähne hier nun fünf etwas genauer:

Erstes Beispiel, die Frage der räumlichen Integration: So wie das Grossmünster mit seiner Grösse und der 45° Stellung zur Umgebung, und die Frauenkirche im städtebaulichen Kontext integriert sind, – sitzt auch der Hafenkran, somit temporär als dritter Referenzpunkt in diesem Abschnitt des Limmat Raumes, obschon seiner differenten Ausdehnung, Form, Material, Erstellungszeitraum und Funktion.

Zweites Beispiel, die Frage des Massstabes. Man beachte diesen Kran sorgfältig, im Gegensatz zu all den vielen in Zürich herumstehenden Baukränen, besitzt dieser einen menschlichen Massstab und genau dieser Massstab steht im unmittelbarem Dialog mit dem ebenfalls menschlichen Massstab der umgebenen Altstadtkulisse. Sein Massstab ist menschlich, weil er sich (ähnlich mit dem menschlichen Körper) in drei Teile gliedert; es sind dies, die Dreibeinstützen welche ermöglichen den Kran horizontal zu verschieben, der Rumpf welcher erlaubt den Kran um die eigene Achse zu drehen und der Ausleger welcher sich heben und senken kann. Auch die Steigtreppen mit ihren Geländern sind zur Menschengrösse passend ausgeführt und der Weg vom Boden zur Führerkabine und weiter hinauf auf das Motorraumdach ist sensibel geführt und gestaltet, dieser Weg gleicht somit einem architektonischen Rundgang. Die Massstäblichkeit der Altstadtkulisse wird dadurch relativiert, diese Tatsache verunsichert und Unsicherheit löst Angriffslüste aus. Deswegen die grössere Anzahl der eingangs erwähnten negativen Kommentare……

Drittes Beispiel, die Frage der direkten Gegenüberstellung zweier Baustile auf derselben Plattform. Einerseits der moderne Kran und anderseits der postmoderne Anbau an die Polizeiwache. – Einerseits der logisch nach funktionellen, mechanischen und statischen Vorgaben, aber trotzdem höchst subtil funktional zusammengesetzte und konstruierte Kran, und anderseits das pure Gegenteil, ein diesem städtebaulichen Kontext, massstäblich unterdimensioniertes Volumen, gestückt mit willkürlichen Zierwerken wie zum Beispiel Galerien welche lediglich zu einer blinden Mauer führen, und einer unfundierten, baulich überbetonten ziellosen Symmetrie. An diesem beiden Anschauungsobjekten, kann man beispielsweise die kulturhistorische Problematik, der Ablösung der modernen Meta Erzählung, durch den postmodernen Relativismus ergründen, und das derzeitige Ringen von NGOS und Gelehrten zur Überwindung des immer noch im Geiste des postmodernen Laisser-faire ungezügelten Finanzwirtschaft und den globalen Praktiken von Transnationalen Firmen durch Zügelung einer langsam aufkeimenden, sich entwickelnden Rückkehr zu den Grundwerten, zweiten Moderne rechtfertigen. (Siehe zu diesem Thema auch Ulrich Beck und weitereiii)….

Viertes Beispiel, die Frage des Kunstobjektvergleiches. Ganz nach dem Grundsatz: „Die beste Kritik an einem Kunstwerk ist ein anderes Kunstwerk“. Hier ergeben sich für Kunstinteressierte unzählige Vergleichs- und Diskussionsmöglichkeiten; sowohl für tiefsinnige, wie auch für oberflächliche. Wie zum Beispiel, in einem Beitrag in srf/kultur, wird Max Bills Pavillonskulptur entgegengesetzt zum Hafenkran als gute Kunst schöngeredet und der Kran als künstlerisch bedeutungslos dargestellt. Vergleicht man aber die sinnliche Erfahrung beider Werke muss ich doch entgegnen, dass die des Hafenkrans vieldeutiger und aufregender ist, als das eindeutige „Stonehendge -Derivat“ an der Bahnhofstrasse wo es nichts zu interpretieren gibt. Auch was den geistigen Input anbelangt kann nicht geleugnet werden, dass hinter dem Hafenkran nebst formalen Qualitäten auch zusätzliches Wissen wie Mathematik, Materialphysik, etc. steckt, was man von der Pavillonskulptur nicht sagen kann. Nicht umsonst werden Wissensfächer in harte und weiche kategorisiert, und die meisten Subjekte welche sich als Kunstsachverständige geben, scheuen die harten. Der Kran kommt aus der Küche der harten….

Fünftes Beispiel, die Frage des Zeitgeistes Allgemein spriessen im Moment immer mehr Möbelläden, Restaurants, Bars, Kleiderläden etc. aus dem Boden, die auf Vintage stylen. Der rostende Kran ist das momentane Vintageobjekt in Zürich schlechthin, da könnte man sich fragen woher könnte dieses Bedürfnis nach vergangener Geborgenheit wohl kommen? Laut den französischen Philosophen André Compte-Sponvilleiv und Michel Serres, „ist das heutige Zeitalter durch verbreitete gesellschaftliche Bindungslosigkeit bedroht, die Bürger sind unfähig miteinander zu kommunizieren, und somit nur noch in der Lage sind , ihre kleine Privatsphäre liebvoll zu kultivieren , was die Soziologen als Cocooning (sich einhüllen) nennen.“ Übrigens sind diese Individuen gute Konsumenten welche unsere rasende Konsumgesellschaft aktiv unterstützen. Anderseits aber auch auf der Sinnsuche mittels Esoterik sind,; aber sich auch zur Erreichung einer zweiten Moderne in einer NGO engagieren und Vorlesungen über Wirtschaftsethik fleissig besuchen- ……

Je nach kulturellem Hintergrund und Interesse jedes Individuums gibt es natürlich noch weitere Bezüge welche beim betrachten des Krans in seinem Kontext Limmatquai hergestellt werden können, wie z. B. historische, handelspolitische, Zürich und die Welt, sozialpolitische, Genius loci, psychologische etc.. und dank seiner Transparenz auch unzählige räumliche Durchblicke und Ansichten.

Ich belasse es mal hier, und komme zur Konklusion; es handelt sich bei dieser Installation um: exzellente Kunst!

i 2010 WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt, Seiten 128 bis 167,
ii Das weltweit jährlich herumschwirrende Kapital übersteigt, dank der rein spekulativen und unproduktiven Finanzwirtschaft ein x-faches das weltweit produzierte Bruttoinlandprodukt, welches nach Anlagemöglichkeiten sucht und somit auch den Kunstmarkt aufbläht.
iii Beck Ulrich, Was ist Globalisierung Frankfurt a. M. Suhrkamp, 1997 S. 13-32
iv André Comte-Sponville, Kann Kapitalismus moralisch sein?, Diogenes Seite 40

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